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Wie wirken sich Krisen wie Brexit oder Grexit auf den Goldpreis aus?

Wie Krisen den Goldpreis beeinflussen können 

In unserer globalisierten Welt hängt alles zusammen, politische Entwicklungen haben fast immer auch Auswirkungen auf andere Länder, wenn nicht sogar auf alle Nationen. Brexit und Grexit – die derzeit heiß in den Nachrichten diskutierten Themen – sind daher Phänomene, die sich international auf die Währungen ebenso wie auf Aktien- und Edelmetall-Kurse auswirken. Und zwar negativ und positiv. Gold, das seit Jahrtausenden als Krisenwährung gilt,  blieb in vergangenen Krisenzeiten im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten wertstabil und legte oft sogar an Wert zu. Die Rechnung klingt also ganz einfach: Je größer die Krise, desto höher der Goldpreis. Müssen Anleger also beim drohenden Brexit jetzt einfach die Hände in den Schoß legen? Ganz so einfach ist es dann in der Praxis dann doch nicht, wie eine der jüngsten Krisen auch zeigt.

Warum steigt der Goldpreis in Krisenzeiten?

Gold hat seinen Ruf als Krisenwährung schon häufig bestätigt. Das liegt vor allem daran, dass die Menschen dem gelben Edelmetall vertrauen. Denn es ist knapp und kann nicht künstlich hergestellt werden. Der Wert von Gold liegt darin, dass die Menschen an diesen Wert glauben und das Edelmetall überall auf der Welt als gültiges Zahlungsmittel akzeptieren. Haben die Menschen in Krisenzeiten Angst davor, ihr Erspartes zu verlieren, kaufen sie Edelmetalle, weil sie wissen, dass diese ihren Wert nicht vollständig verlieren werden. Je mehr Menschen Gold kaufen, desto knapper wird die angebotene Menge. In der Folge steigt der Goldpreis.

Die Menschen in Deutschland fürchten sich vor allem vor einer Inflation. Die Ursache dafür liegt in der Vergangenheit. Nach den beiden Weltkriegen verlor die deutsche Währung jeweils enorm an Wert. Die Menschen verloren ihr Erspartes und konnten mit dem vielen Geld, das ständig neu gedruckt wurde, nichts mehr kaufen. Der Goldpreis stieg in dieser Zeit enorm an. Kostete die Unze im Januar 1919 170 Reichsmark, waren es im November 1923 87 Billionen Reichsmark. Während also viele deutschen Bürger ihr Vermögen verloren und reiche Menschen über Nacht verarmten, waren Immobilien- und vor allem Goldbesitzer die großen Gewinner dieser Zeit. Letztere hatten keine Kaufkraftverluste zu erleiden.

Ein weltweiter Anstieg des Goldpreises resultierte beispielsweise aus der zweiten Ölkrise. Die allgemeine Verunsicherung an den Finanzmärkten zu dieser Zeit führte dazu, dass die Börsenkurse immer weiter fielen. Hinzu kam der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan im Jahr 1980. Aus diesen Gründen flüchteten sich viele Investoren in den Goldkauf, was den Preis enorm steigen ließ. Seinen bislang höchsten Wert feierte das Edelmetall im Jahr 2011. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise führte dazu, dass Anleger Banken und ihren Investitionsmöglichkeiten nicht mehr vertrauten. Durch die enorme Nachfrage nach Gold stieg der Preis pro Unze auf ein Allzeithoch von 1920 Dollar.

Grexit, Brexit, Flüchtlingskrise – der Goldpreis und die Krisen der letzten Jahre

Wie in den eben gezeigten Beispielen, erwarteten Experten auch zur Zeit des drohenden Grexit einen Anstieg des Goldkurses. Dieser blieb jedoch (bislang) aus. Daran konnte auch der Einbruch der Börsen in China nichts ändern, den Experten ebenfalls zu einem eigentlichen Förderer des Goldpreises erklärt hatten. Dieser zeigte sich unbeeindruckt und entwickelte sich sogar in die entgegengesetzte Richtung. Das hatte vor allem zwei Ursachen. Zum einen wurde in den Vereinigten Staaten die Zinswende erwartet. Die steigenden Zinsen wollten viele Anleger ausnutzen, um laufende Gewinne zu erzielen. Diese werfen Edelmetalle nämlich nicht ab. Zum anderen wurde durch die steigenden Zinsen auch ein Anstieg des US-Dollar-Kurses erwartet. Da der Goldkurs in US-Dollar angeben wird, bedeutete dies eine zusätzliche Verteuerung des Goldes für Nicht-Amerikaner. Ein Anstieg des Preises blieb also aus. 

Anders gestaltete sich die Lage nach dem Referendum der Briten. Fast alle Experten hatten einen Verbleib Großbritanniens in der EU vorausgesagt. Dementsprechend geschockt waren die Anleger, nachdem das Ergebnis in den Nachrichten verkündet wurde und sich die Mehrheit der Briten für einen Brexit ausgesprochen hatte. Innerhalb kurzer Zeit stieg das gelbe Edelmetall auf den höchsten Wert seit fast zwei Jahren. Dies ist vor allem auf die sinkenden Kurse von Pfund und Euro zurückzuführen. Weiterhin hat das britische Votum Auswirkungen auf die Aktienmärkte: Nach der Talfahrt des DAX in Deutschland folgt nun auch der Dow Jones. Viele Anleger stiegen blitzartig aus britischen Fonds aus, weil sie sich vor sinkenden Renditen fürchteten. Einzig Goldminenwerte profitieren vom Brexit und dem dadurch gestiegenen Goldpreis.

Sollte es nun wirklich zum Ausstieg der Briten aus der EU kommen, prophezeien Fachmänner einen noch deutlicheren Anstieg des Goldpreises. Gefördert wird dieser durch weitere Unsicherheitsfaktoren, wie beispielsweise die Flüchtlingskrise. Viele Anleger fühlen sich durch die wachsenden Flüchtlingszahlen bedroht und versuchen ihr Vermögen durch eine Investition in Edelmetalle zu sichern.

Fazit

Generell können sich Anleger darauf verlassen, dass der Goldpreis in Krisenzeiten steigt. Bis auf wenige Ausnahmen, wie beispielsweise im Falle des drohenden Grexit, hat sich dies stets bewahrheitet. Für Anleger ist es aber zu jeder Zeit wichtig, das globale Geschehen im Auge zu behalten, da sich der Goldpreis nicht nur an europäischen Krisen orientiert. Entscheidend für Kursänderungen können auch andere Faktoren sein, wie zum Beispiel

- ein steigender/sinkender Dollarkurs,

- steigende/sinkende Zinsen,

- der plötzliche Verkauf von Goldreserven durch eine Zentralbank,

- das Anlageverhalten von Großinvestoren oder

- die Schmuckindustrie.

 

Eine tragende Rolle spielt auch immer die weltweit geförderte Goldmenge. Experten erwarten, dass die Fördermenge bis ins Jahr 2017 abnimmt. Langfristig gesehen könnte das dem Goldkurs erneut einen großen Kursgewinn bescheren.